Mitschrift des Funkkontakt mit DP0ISS am 11.07.2014

Die Daten zum Funkkontakt mit Alexander Gerst – DP0ISS am 11.07.2014 sind jetzt ausgewertet und nun soll es hier auch eine Mitschrift und einen Audiomitschnitt des Funkkontaktes geben.

 

Funker:
DP0ISS this is DN2DLR.
DP0ISS this is DN2DLR.
Calling for scheduled contact – OVER.

Antwort von Alexander Gerst:
Go ahead, DN2DLR. This is the International Space Station. I have you loud and clear. How do you copy?

Funker:
Hello Alexander, your signal is loud and clear, radio 4, radio 4 near by 5.
Hier ist das DLR_School_Lab Braunschweig und hier die erste Frage:

Alexander (17):
Dürfen Sie in Ihrer Freizeit Weltraumspaziergänge machen?

Antwort von Alexander Gerst:
Hallo Alexander! Ja, schön wär’s. Leider ist so ein Weltraumausstieg doch ein bisschen mehr als nur ein Spaziergang und sehr viel aufwändiger, als man sich das vorstellt. Man muss sich da mehrere Tage darauf vorbereiten. Man muss die Raumanzüge vorbreiten. Und es ist natürlich auch relativ gefährlich, wenn man es mit dem Aufenthalt im Inneren eines Raumschiffes vergleicht. Deswegen können wir das nur aus beruflichen Gründen und nicht in der Freizeit machen.

Anja (17):
Was ist das Schönste daran im Weltraum zu sein?

Antwort von Alexander Gerst:
Hallo Anja! Ich glaube, das Schönste daran ist definitiv das Schweben und der Blick aus dem Fenster auf die Erde. Das ist etwas, was man zwar sehen kann – aber ob ich das jemals tatsächlich richtig verstehen kann, was ich da oben sehe, ist die andere Frage. Aber das ist wirklich das Schönste, was es hier oben gibt.

Clemens (18):
Wie bzw. was war Ihr erster Eindruck in der ISS?

Antwort von Alexander Gerst:
Clemens, das ist eine gute Frage. Ich habe mich das selbst auch gefragt. Und wenn ich so zurückdenke, dann ist da tatsächlich ein Ding, das wirklich herausgestochen ist: Das war der Geruch, den ich bemerkt habe. Den habe ich bemerkt, als ich die Luke der Sojus – des Sojus-Raumschiffs – aufgemacht habe. Den habe ich in den ersten fünf Minuten bemerkt. Das war ein ganz technischer Geruch, ein bisschen wie man ihn sich in U-Booten vorstellt. Und das ist dann aber wieder vergangen. Ich rieche den also jetzt nicht mehr. Ich habe mich wohl so sehr daran gewöhnt. Und das war tatsächlich mein erster Eindruck von der ISS.

Kristopher (16):
Woran dachten Sie unmittelbar bevor Sie in den Weltraum geflogen sind?

Antwort von Alexander Gerst
Kristopher, wenn man in den Weltraum selbst auf einer Rakete fliegt und einiges zu tun hat, dann denkt man kurz vorm Start eher daran, was man eigentlich genau tun muss: Was es braucht, welche Knöpfe man drücken muss, zu welcher Zeit, welche man besser nicht drückt – was denn passiert beim Start und was man zu erwarten hat, damit man immer vergleichen kann, ob es sich um eine nominelle Situation dreht, oder ob man vielleicht einen Notfall hat, auf den man reagieren muss. Man ist schon sehr angespannt und sehr fokussiert auf die Sache, die da vor einem steht.

Johannes (17):
Was wollten Sie schon immer im Weltraum machen?

Antwort von Alexander Gerst:
Schweben! Das war das, was mich am meisten fasziniert hat. Das habe ich jetzt schon gemacht, das ist eine große Sache! Ja, ich freu mich darauf! Das nächste, was ich auch im Weltraum gern machen würde und worüber ich mich sehr freuen würde, wäre natürlich ein Weltraumausstieg. Und dann: ja, weiter zu ziehen! Weiter raus in den Weltraum, auf einen anderen Himmelskörper. Das ist das, was mich wirklich sehr faszinieren würde.

Noah (16):
Helfen Ihnen Ihre Erfahrungen aus der Antarktis weiter?

Antwort von Alexander Gerst:
Hallo Noah! Das ist auch eine sehr gute Frage. Und ich denke, die helfen mir sehr viel weiter. Ob man jetzt in einem kleinen Zelt-Camp in der Antarktis oder hier auf der Raumstation lebt, macht eigentlich gar keinen so großen Unterschied, was die Gruppendynamik angeht. Das heißt, man muss natürlich immer so ein bisschen auf seine Mannschaftskameraden aufpassen, schauen, dass sie genügend Raum für sich selbst haben, dass man sich versteht, dass man zusammen gut auskommt. Und das ist tatsächlich etwas, was sehr ähnlich ist – hier oben – wie in der Antarktis.

Marvin (17):
Vermissen Sie die Schwerkraft in manchen Situationen?

Antwort von Alexander Gerst:
Ja, definitiv! In manchen Situationen vermisst man die Schwerkraft. Manche Sachen werden sehr viel einfacher: Wenn man zum Beispiel ein großes Objekt hat, das kann man einfach mal so in der Luft hier parken und etwas anderes machen und nach zehn Sekunden oder zwanzig ist es immer noch da. Aber andere Dinge sind sehr viel schwieriger zu managen, wie man zum Beispiel – ich sehe es gerade – sei es nur ein Stück Papier, oder alle möglichen Geräte: Das muss man alles irgendwo festbinden in der Schwerelosigkeit, sonst verliert man es sofort.

Gerrit (18).
Ist die Vorbereitung unter Wasser gleich der „echten“ Schwerelosigkeit? Wenn nicht, wie ist es anders?

Antwort von Alexander Gerst:
Das ist auch eine gute Frage, Gerrit! Es ist tatsächlich so, dass das Training unter Wasser sehr viel anstrengender ist, weil man trotzdem im Raumanzug noch die Schwerkraft hat. Und wenn man über Kopf arbeitet, fließt einem immer noch das Blut in den Kopf, weil man im Raumanzug ja quasi vom Wasser isoliert ist. Das ist hier oben anders, es ist sehr viel leichter zu arbeiten. Ich war ja noch selbst nicht im Raumanzug draußen, aber man kann sich schon vorstellen, dass das sehr viel leichter im Vergleich zum Training ist. Aber natürlich hat man dann andere Faktoren wie das Vakuum, Hitze, Kälte und den Weltraum um sich herum, die es dann auch wieder schwieriger machen. Letztendlich sagen die Leute, dass das Training ähnlich schwer ist – aber aus unterschiedlichen Gründen.

Johannes (16):
Herr Gerst, wie war das Andock-Manöver für Sie persönlich? Und inwiefern waren Sie daran beteiligt?

Antwort von Alexander Gerst:
Das war eine großartige Sache! Das erste, was ich von der Raumstation durch das Fenster gesehen habe, war tatsächlich das europäische Columbus-Labor – in dem ich mich hier jetzt befinde – und das war toll für mich zu sehen! Unser Andockmanöver war automatisch, das lief alles glatt und in einem solchen Fall brauchen wir nicht eingreifen. Das heißt, wir haben im Prinzip im Raumschiff zugeschaut, waren aber immer bereit, in jeder Sekunde eingreifen zu können, falls etwas schief gegangen wäre.

Erik (17):
Wie verhält sich Feuer in der Schwerelosigkeit?

Antwort von Alexander Gerst:
Das ist auch eine sehr interessante Frage, Erik! Das ist tatsächlich Bestand unserer aktuellen Forschung. Wir haben Experimente dazu, wo wir Dinge in der Schwerelosigkeit verbrennen. Und wir haben gesehen, dass sich das Feuer in der Schwerelosigkeit ähnlich verhalten kann wie auf der Erde – sogar noch besser, mehr brennt, wenn man einen Luftzug hat; wenn die Luft an dem Feuer vorbeizieht und es anfacht. Sobald der Luftzug aber aufhört, dann hört auch das Feuer auf zu brennen und geht manchmal fast sofort komplett aus.

Tim (17):
Wie schützt man sich vor der Weltraumstrahlung?

Antwort von Alexander Gerst:
Die Weltraumstrahlung – die ist natürlich überall gegeben. Außen, um uns herum. Also tatsächlich merkt man das sogar nachts, dass sie in unser Raumschiff eindringt, weil man Blitze vor den Augen sieht. Ab und zu – alle paar Minuten mal – gibt es so einen kleinen hellen Fleck auf der Netzhaut, wenn das Weltraumstrahlungsteilchen die Netzhaut trifft. Das heißt, wir sind hier oben schon erhöhter Strahlung ausgesetzt, aber das Erdmagnetfeld schützt uns trotzdem noch zum Großteil. Die Hülle der Raumstation um uns herum ist ein Schutz und zusätzlich haben wir in unseren Schlafstationen noch einmal eine extra Plastikpanzerung um uns herum.

Lea L. (17):
Was war das Erste, was Sie getan haben, als zum ersten Mal die Schwerkraft aussetzte?

Antwort von Alexander Gerst:
Ich habe laut gejubelt und mir mit meinen beiden Kameraden, die mit mir im Raumschiff gesessen haben, ein „High-Five“ gegeben.

Patricia (18):
Wie fühlt es sich an, wenn man an der Raumkrankheit leidet?

Antwort von Alexander Gerst:
Ich war zum Glück davon verschont, mir ist nicht schlecht geworden und ich habe mich hier immer gut gefühlt. Aber ich habe mir sagen lassen, es ist so, wie wenn einem richtig, richtig schlecht ist – ungefähr so, wie wenn man Seekrankheit hat. Die beiden Krankheiten sind im Prinzip fast identisch.

Funker:
DP0ISS for DN2DLR. Now we stop the questions. Thank you for the contact! Herzliche Grüße aus dem DLR_School_Lab Braunschweig! Weiterhin eine erfolgreiche Mission – OVER!

Antwort von Alexander Gerst:
Grüße zurück ans DLR_School_Lab in Braunschweig! Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Ich wünsche Euch alles Gute! Und ich denke, dass bei Euch bestimmt ein paar richtig gute Ingenieure, Wissenschaftler oder sogar Astronauten dabei sind. Versucht daran zu arbeiten an Eurem Traum! Ihr seid auf dem besten Weg, das sehe ich schon an den Fragen.
Alles Gute von der Internationalen Raumstation! This is DP0ISS – OUT.

 

Auf den Seiten des DLR_School_Lab Braunschweig gibt es dazu auch noch zwei interessante Berichte:

 

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